Was uns mutig macht

Eine Beobachtung von meinem Partner, der Erzieher in einer staatlichen Einrichtung ist: Er ist gerade dabei Aufgaben fertig zu schreiben. Dabei sitzt ein Junge nehben ihm und unterhält sich mit ihm. Es kommt ein zweiter Junge dazu und bindet sich in die Unterhaltung ein. A. erzählte mir, dass beide Jungen gerade besonders seine Nähe suchen und sich auf diesem Weg wahrscheinlich auch untereinander angenähert haben. Plötzlich fragt der eine den Anderen: Du sind wir eigentlich Freunde? Verdutzter Blick ist die Antwort. Ein Schulterzucken. »Mhm, ehrlich gesagt weiß ich das gar nicht so genau.« Das scheint den anderen Jungen aber nicht zu irritieren, stattdessen erwidert er nur. »Naja, ist ja auch nicht so wichtig.«

Das soll mein Einstieg für diesen Beitrag sein. Ist es nicht faszinierend wie Kinder gegebene Sachen gar nicht hinterfragen, sondern das Miteinander genießen. Ich finde das beeindruckend. Gerade in Zeiten, wo meiner Erfahrung nach, wir immer wieder nach festen Definitionen suchen. Sicherheiten abstecken. Nichts darf vaage sein, Beziehungen und Freundschaften brauchen klare Regeln, deutliche Erwartungen und müssen einen bestimmten Verlauf haben. Mich ersticken diese ganzen Erwartungen. Immer sofort und jedem antworten zu müssen. Immer erreichbar sein. Auf ein »Ich hab dich lieb« eines Komilitonen zu reagieren auf das ich gar nicht weiß wie ich reagieren soll. Denn ich sag sowas nicht oft. Generell habe ich mich schwerer mit Worten, wenn es darum geht Freunden und Partnern wertschätzende Worte entgegenzubringen. Ich zeige das sonst lieber. Oder wenn dann in geballter Form. Anscheinend bin ich damit allein oder andere, denen es ähnlich geht zeigen mir das nicht, weil ich zeige es ihnen ja auch nicht. haha.

Sich dann auf das Ganze Prinzip der Unterschiedlichkeit und derganzeneinzulassen, erfordert wieder viel Energie und Geduld, was uns in der heutigen Zeit anscheinend zu fehlen scheint. Im Gespräch mit den Kommilitonen kam der Gedanke mehr als einmal auf, dass wir heutzutage nicht mehr zuviel Potential in Freundschaften und Beziehungen stecken wollen, weil wir schon zu Beginn damit rechnen irgendwann damit allein zu sein. Am Anfang Angst vor dem Ende haben. Wodurch sind wir so eingeschüchtert worden? Denn im Gegensatz zu dieser Unwilligkeit der Investition stehen die hohen Erwartungen die man an Freundschaften stellt. DIE müssen sich bei mir melden. DIE müssen sich nach mir erkundigen. DIE brauchen Insider mit mir, damit wir einzigartig sind. Alles soll perfekt sein, harmonisch etc. Freunde bekräftigen sich, Freunde geben sich Küsschen, Freunde entspannen mit dir vorm Kamin und lästern über das letzte Date. Ich möchte hier mal bewusst die Faktoren vernachlässigen warum es zu solchen Phänomenen kommt- Stichwort Fake Image und Katalogleben- aber der Erfahrungswert innerhalb des Seminars zeigen das es kein Einzelphänomen ist. Jeder kennt es und auch ich mache mich schuldig so manche Erwartungen an andere Menschen sind schon hoch und ich versuche zu reflektieren was Quatsch ist und was wirklich wichtig und essentiell für mich.

Eine interessante Beobachtung in dieser Thematik ist das Phänomen, dass es in jeder Gruppe, auf jeder Party, in jedem Betrieb etc. gibt. Meist ist es unbewusst, aber vielleicht der ein oder andere diese Erfahrung auch schon gemacht. Es geht um die Kombination zweier unterschiedlichster Charaktere. Zwei Menschen, die so verschieden sind wie Tag und Nacht und doch super miteinander auskommen-in manchen Fällen sogar beste Freunde- in jedem Falle aber ein echtes Dreamteam. Der/die eine von beiden ist super kommunikativ, teilt Ideen, ist aktiv beim Workflow dabei und geht sowieso öfter aufs Ganze. Der/die andere hingegen ist eher verhalten. Ruhig und stressfrei und beobachtet lieber im Hintergrund. Spricht weniger und ist sowieso nur schwer etwas zu entlocken, bevor man nicht ein gewisses Vertrauensverhältnis aufgebaut hat. Kurzgesagt kommt es immer wieder und das nicht gerade selten, dass sich Introvertierte und Extrovertierte zusammentun. Doch wie kommt das?

Macher und Denker oder ein Spiel der Gegensätze

Zuerst untersuchen wir einmal die beiden Begriffe an sich. Extraversion und Introversion, wie es eigentlich heißt, sind zwei Persönlichkeitseigenschaften. Genauer gesagt sind sie komplett gegensätzlich zueinander. »Introvertierte Charaktere wenden ihre Aufmerksamkeit und Energie stärker auf das Innenleben. In Gruppen neigen sie eher zum passiven Beobachten als zum Handeln und werden häufig als still, zurückhaltend und ruhig beschrieben« (Wikepedia). Wichtig ist hierbei zu beachten, dass das nicht gleich heißen muss, schüchtern zu sein.  »Introvertierte meiden meist überfüllte Partys und Veranstaltungen, verbringen dagegen aber gerne ein paar ruhige Stunden mit ihnen bereits vertrauten Freunden, solange die Gruppe nicht allzu groß ist« (Wikepedia).

Extroversion sind in ihrem Handeln eher auf eine nach außen gewandte Haltung ausgelegt. Für diesen Typus Mensch ist der Austausch und das Handeln innerhalb sozialer Gruppen als anregend empfunden. Typische Eigenschaften sind zB. gesprächig, bestimmt, aktiv, energisch, dominant, enthusiastisch und abenteuerlustig.

[Geheimtipp für die, wie mich, Neugierigen: Untersucht mal die Temperamentenlehre: Extravertierte Temperamente sind der Choleriker und der Sanguiniker. Introvertierte Temperamente sind der Phlegmatiker und der Melancholiker]

Da wir die Begriffichkeiten nochmal geklärt haben wird jedem, denk ich, klar sein wie die beiden Charaktere so gut zusammen funktionieren. Sie ergänzen sich im Idealfall. Durch die unterschiedliche Art zu kommunizieren, zu denken und zu arbeiten können beide Charaktere den Umgang mit dem anderen jeweils nutzen, um besser in Projekten oder auch persönliche Entfaltung voran zu kommen. Was sich zB. der Introvertiere noch nicht traut, lernt er vom Extrovertierten. Andersrum kann der Extrovertiere lernen sein Temperament zu zügeln und Situationen nochmal neu einzuschätzen, bevor er handelt.

Natürlich ist nicht jeder immer nur extrovertiert oder ausschließlich introvertiert. Aber eine Präferenz findet sich doch bei jedem. ich persönlich definiere mich mehr als Introvertierte, obwohl mein Umfeld mich in vielen Fällen wahrscheinlich mehr als Extrovertiert einstufen würde. Die klassischen Eigenschaften und Erkennungsmerkmale sind oft auf den ersten Blick nicht immer eindeutig. Die Frage ob man jetzt eher introvertiert oder doch extrovertiert ist, lässt sich damit beantworten wie man mit es mit dem Umgang von Menschen handhabt, also anders ausgedrückt: Bist du gern unter Menschen und lädst dabei deine Energie auf und es fällt dir eher schwer allein zu bleiben, dann bist du eher extrovertiert.  Wenn du für dich bist entlädt das deine Energie und du fühlst dich schlapp und dir fehlt wieder genau der Kontakt zu anderen Menschen und der damit verbundene Austausch. Introvertiert bist du eher, wenn du gern unter Menschen bist und das genau so genießt wie der Extrovertierte, aber es trotzdem eher deine Batterien entlädt. Du brauchst Ruhe und Zurückgezogenheit in der du dich wieder aufladen kannst, weil Kontakt mit Menschen deine Energie aufbraucht.

Was das mit dem Prototypen zu tun hat

An sich ein Untermauerung meiner These. Eine Erklärung warum es eben genau die Kombination aus unseren beiden Produkten ist. Warum ich ein solcher Verfechter unserer Idee bin. Um Introvertierte zu helfen, muss man sie locken. Man muss ihnen eine sichere Grundlage, eine sichere Fläche geben auf der sie sein können wie sie sind. Wo sie ganz »awkward« sein können, weil alle awkward sind. Ich will keine Introvertiere in Extrovertierte verwandeln. Extrovertierte sollen nicht als Aufpasser inszeniert werden. Nein, jeder ist wie er ist und das ist gut so. Der Einzige, der dich ändern kann, bist du selbst. ABER: dein Umfeld kann dir helfen dein Optimum zu finden, in dem du dich entfalten lernen kannst. Eine neue »Komfortzone« schaffen, außerhalb der eigentlichen. Deswegen soll die Möglichkeit gegeben werden erstmal zu schreiben, sich auszutauschen, vielleicht kann man irgendwann auch eine Art Startseite schaffen, auf der man Bilder/Kommentare/Threads posten und kommentieren kann. Aber da laufen wir Tumblr und Co nix ab. Stattdessen eben der nächste Schritt, das man erste Kontakte über unsere Seite knüpft und sich dann wahrscheinlich über andere Plattformen verbindet und dann lieber länger unsere App nutzt.

Kaktus 6.png

Zum nächsten Mal

Nachdem dieser Blog mehr ein Gedankenspaziergang war und sich weniger um den Prototypen selbst, sondern mehr um das Thema und Selbstoffenlegung meinerseits, wie versprochen. Was geplant ist, ist mehr auf die konkrete Gestaltung und Funktionen des Prototypes einzugehen. Vielleicht kann ich auch mehr von der Gestaltung zeigen. Bis dahin lass ich dem aufgeweckten Leser einen kleinen Teaser in Bildsprache da.

 

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