Die nachhaltige Entwicklung durch „disruptive transparency“

Seit den 2000ern gilt es als erstrebenswert ein Preisfuchs zu sein. Wir haben gelernt das jeder auf kapitalistische Art und Weiße versucht den anderen über den Tisch zu ziehen. Durch die Transparenz, die die Internetära mit sich bringt, ist es auch viel leichter Preise zu vergleichen und sich dann den besten rauszusuchen. Dadurch ist der Preiskampf global und wesentlich härter als je zuvor.

Die Auswahl entsteht nur leider aus einer sehr einfältigen Motivation. Kurz überlegt ist es tatsächlich günstiger ein Produkt auszuwählen, dass für einen mehr oder weniger gleichen Nutzen einen geringeren Kostenaufwand darstellt. Dabei wird allerdings nicht bedacht, dass diese Kostendifferenz nur verschoben aber nicht aufgehoben wird. Das bedeutet wenn ein Kunde bei einem Produkt, dass durch eine, aus wirtschaftlicher Perspektive, effizientere Herstellung einen günstigeren Preis bezahlt, spart er oder sie persönlich diese Preisdifferenz. Doch dann bleibt die Frage, wo dieser Preisvorteil entnommen wird. Da gibt es mehrere Möglichkeiten.

Das Unternehmen kann durch ein gutes Management Herstellungsprozesse optimieren und Materialien effizienter ausschöpfen. Oder durch Mitarbeiterfortbildung Identität, Motivation und Initiative der Angestellten fördern. Andererseits kommt es weltweit leider viel zu oft vor, dass die Gewinnoptimierung auf Kosten der Arbeiter und der Umwelt stattfindet. So werden kurzfristig günstige Preise generiert, die langfristig einen teuren Reparaturaufwand mit sich bringen. Hinzu kommt, dass der globale Preiskampf nicht mehr regionale Firmen gegeneinander antreten lässt, sondern ganze Länder. Und da es keine weltweite Ökosteuer oder ein auf Nachhaltigkeit gibt, die auf jeglichen Warenverkehr kommt, oder ein sind die einzelnen Länder gezwungen, wirtschaftlich effizient und nicht ökologisch nachhaltig zu handeln. Bei diesen Fällen kommt es zu einem Preisvorteil durch Ausbeutung. Und das in einer Zeit, in der alles transparent und protokolliert ist.

Doch diese gerade beginnende gläserne Epoche beschränkt sich nicht nur auf das Durchleuchten der Endkunden, die sich getrieben durch den Durst nach Anerkennung, Bewunderung und Bequemlichkeit der Industrie bis ins kleinste Detail ihrer intimsten Vorstellungen offenbaren und sich durch zahllose Apps ‚infantilisieren‘ lassen. Das ganze Spiel geht auch andersrum.

Durch die Vorarbeit des Journalismus und durch das kollektive Aufdecken der guten und schlechten Eigenschaften aller Firmen haben die Menschen das erste Mal in der Menschheitsgeschichte die Möglichkeit aktiv an der wirtschaftlichen und ökologischen Gestaltung der Welt teilzuhaben. Und zwar durch ihre Kaufkraft. Jeder hat nun die Möglichkeit sich die ganzen Informationen zunutze zu machen, ohne seinen gewohnten Konsum von Grund auf zu neu zu organisieren. Durch den vereinfachten Zugang zu der transparenten Firmenidentität ist es jedem Kunden möglich hinter die bunte Fassade der Werbung zu schauen.

Die Vorratsdatenspeicherung und der digitalisierte Informationsfluss müssen nun nicht ausschließlich zur Aufzeichnung privater Begebenheiten missbraucht werden. Jetzt kann auch der Endverbraucher sich diese allübergreifende Macht zunutze machen und mit jedem Einkauf nicht nachhaltige Unternehmen aus dem Markt drängen.

So wird aus einem Preisfuchs nach zwei Dekaden ein Ökofuchs. Eine Weiterentwicklung, die der globalen Notwendigkeit gebührt.

Man kann den Effekt, den disruptive transparency im Begriff ist, auszulösen schon fast als evolutionären Entwicklungsschritt betrachten, da der Mensch über die egoistischen Bedürfnisse und der persönlichen Triebe hinweg das Kollektiv zu sozialen und ökologischen Werten bewegt.

– Survival of the fairest.

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