Urbane Ansprüche — am Anfang ward das Thema.

Unsere gängige Lebensform überall auf der Welt hat sich geschichtlich und geografisch so entwickelt, dass wir uns als Gemeinschaft in Städten oder Dörfern, also in Zentren zusammenfinden, um dort unseren gemeinsamen Alltag zu verbringen. Ursprünglich bildeten sich diese Zentren aus religiösen oder wirtschaftlichen Ballungspunkten heraus — rings um eine jede Kirche oder Furt herum, in einem Tal oder an einem Fluss entwickelten sich Siedlungen, in denen Menschen wohnten und arbeiteten. Der Anspruch war also zuerst rein religiös oder wirtschaftlich. Einige Rudimente sind aus der damaligen Zeit noch übrig geblieben. Vielmehr aber haben sich Städte zum Ballungspunkt von Kulturen, Erfahrungen, Potenzialen entwickelt. Mittlerweile gibt es so viele Einflussfaktoren auf eine Stadt/eine Region, dass sie sich gar nicht mehr systematisch oder geplant verwalten lassen. Mit dieser Entwicklung geht der Trend einher, dass attraktivere Zentren immer mehr Zuwachs erleben — unattraktive Regionen hingegen verlieren somit ihr Potenzial (was ja im Endeffekt immer von deren Bewohnern ausgeht). Und was der wirkliche absehbare Trend ist, weiß keiner. Wunderbar eigentlich — die Region als eigendynamischer Bestandteil unseres Lebens. Oder nicht?

Ist Stadt noch Stadt? Was ist eine Region? Was wollen wir eigentlich?

»Eine Stadt ist für jeden gemacht. Muss deshalb aber auch von jedem gemacht werden.«

Abstrakt zusammengefasst treffen sich Menschen aus dreierlei Gründen in Zentren des Zusammenlebens: Raum, Zeit und Bewegung.

In städtischen Kontexten bedeutet Raum zum Beispiel Wohnraum, gemeinschaftlicher Raum, wirtschaftlicher Raum, kreativer Raum und weitere. Was die Zeit in Städten angeht, versuchen wir stets sie zu stauchen/entschleunigen: kurze und effektive Wege und optimierte Fortbewegungsmittel sollen zum Sparen von Zeit dienen, da der Empfindung nach in Städten die Zeit wortwörtlich rennt. Das liegt am größten Potenzial eines urbanen Raumes, der Bewegung. Dazu zählen Mobilität, Infrastruktur, Wissensaustausch, Veränderungen allgemein, Trends, verschiedene und neue Lebensformen, interkulturelle Vielfalt, gesellschaftliche Bewegung, Offenheit, Innovation, Grenzenlosigkeit und die Verknüpfung von allem durch digitale Mobilität — kurz gesagt passiert in Städten viel mehr, was uns das Gefühl gibt, dass wir weniger Zeit hätten und diese effektiver nutzen müssten.

Auf dem Land hingegen gibt es unter dem Punkto Raum viel mehr: Wohnraum, ländlichen Raum, Ruheraum, Naturraum und Identifikationsraum — es gibt eine gewisse Orthaftigkeit, den Charakter einer Ortschaft, der uns aufgrund von Geschichten die Möglichkeit gibt, uns einzufühlen. Die Zeit kommt uns dadurch eindeutig entschleunigt vor. Das mag auch daran liegen, dass es wenig Bewegung gibt, wenige Trends, wenig gesellschaftliche Bewegung, wenig Infrastruktur für Mobilität.

Ziemlich ungleich verteilt das alles. Vergessen wir jetzt mal, dass Land Land und Stadt Stadt bedeutet, so würden wir eine Art Traube sehen, die einige große und viele kleine Weinträubchen in sich trägt. Unter dem Gesichtspunkt, dass auf dem Land das Bedürfnis existiert ein Stück der Bewegung aus der Stadt abzubekommen und in der Stadt ein wenig Zeit vom Land, ist es zu meinem Ziel geworden, eine Idee zum Potenzialaustausch zu entwickeln.

Bin ich verrückt, wenn ich sowas denke?

Meine Vision war aufgrund der oben genannten Metapher, dass wir die Traube ausgleichen könnten, indem eine Verknüpfung von Land und Stadt stattfindet. Das am Besten basierend auf direktem Kontakt von Vertretern der Zentren, da diese ja wie schon festgestellt, erst den Charakter des Ortes verwirklichen. Heraus kam dabei die Utopie, dass ein Netz an Orten existiert, welche sich gegenseitig mit ihren Potenzialen unterstützen können.

Neues Bild — Reframing in unseren Köpfen

Wahrscheinlich müssten wir uns erst einmal von unserer altgebliebenen Vorstellung einer Region lösen. Das neue Bild wären zum Beispiel »Potenzial-Räume«, die sich gegenseitig über »Potenzial-Kanäle« (im abstraktesten Sinne: Raum, Zeit, Bewegung) ergänzen könnten. Das könnte dazu führen, dass wir Städte/Ländle nicht mehr als Zentren wahrnehmen, sondern als bewegliche/prozesshafte/sich ständig verändernde Räume.

Wie denn?

So richtig löst diese bloße Vorstellung jedoch nicht das Problem. Klar ist, dass wir mit dem Hilfsmittel der digitalen Mobilität und Intelligenz arbeiten könnten. Dafür bedarf es unsererseits aber mehr Sozialität, die Bereitschaft einander zu bilden, uns einander unsere Potenziale zugänglich zu machen, ein Bewusstsein über Theorie und Praxis und eine geringe Hierarchie in der Verwaltung.

All das scheint unlösbar.

»Eine Stadt ist für jeden gemacht. Muss deshalb aber auch von jedem gemacht werden.«

Ich denke alles ist eine Stadt und kann und sollte deshalb auch von allen gemacht werden. Dafür braucht es zu allererst mehr direkten Austausch.

Also knüpfen wir an die kleinste Instanz an: Mensch. Der erste Schritt muss vermutlich die Entwicklung eines Bewusstseins über das Problem sein, weil wir nicht wissen, wie viele geniale Potenziale vielleicht sogar in unserer geografischen Nähe verborgen liegen. Und weil wir unter dem Begriff Potenzial noch nicht Erfahrungen und Geschichten anerkennen.

Also ist es das Ziel —

— eine Interaktion zwischen einzelnen Menschen aus Stadt und Land zu entwickeln, die bewusst macht, dass wir unseren gemeinsamen Lebensraum auch gemeinsam gestalten können (und nicht nur unsere eigenen Probleme lösen können), indem wir Erfahrungen, Geschichten und Potenziale austauschen. Folglich soll die Interaktion zum einen nutzenerweckend sein, Belohnungen bieten und dennoch die Plattform für einen qualitativen Austausch zwischen Menschen bieten.

 

Heureka.

 

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Autor: Christian Nothnick
grafische Übersicht: Christian Nothnick
Titelbild: www.unsplash.com
weiterführende Links zum Thema:

https://www.freundevonfreunden.com/interviews/encountering-the-other-mind-how-ai-will-shift-our-design-process-and-in-turn-our-cities/

https://www.freundevonfreunden.com/thesoonernow-2016

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